Auf unserer Schwabinger Legenden-Tour kommt sie immer wieder zur Sprache: Uschi Obermaier. Nach ihr drehten sich nicht nur in der Leopoldstraße viele Köpfe um. Zugleich verdrehte sie auch bekannten Gesichtern wie Mick Jagger, Keith Richards, Jimi Hendrix und Rainer Langhans die Köpfe mit ihrer kokett-naiven, sexy Art. Aber wer ist eigentlich diese Uschi Obermaier, die am 24. September 2026 80 Jahre alt wird, weswegen es an diesem Datum auch eine Special-Tour von uns geben wird?
Ursula, genannt „Uschi“, Obermaier (* 24. September 1946 in München) ist den meisten als Schauspielerin und Model im Gedächtnis geblieben. Sie war eine Zeit lang Mitglied der berühmten Berliner Kommune I und wurde in der Ära der 68er-Bewegung in Deutschland als Verfechterin der sexuellen Revolution bekannt. Ihr Leben wurde 2006 unter der Regie von Achim Bornhak mit Natalia Avelon in der Hauptrolle verfilmt. Heute lebt Obermaier nach einigen Jahren in Kalifornien überwiegend in Portugal.
Die Model- und Schauspielkarriere der Uschi Obermaier
Mitte der 1960er-Jahre wurden in Schwabing zunächst Reporter der in München verlegten Zeitschrift “Twen” und später auch andere Modefotografen auf die in Sendling aufgewachsene Schönheit aufmerksam. Sie produzierte zahlreichen Fotostrecken für Illustrierte, unter anderem für die US-Ausgabe der “Vogue” im Jahr 1973. In einigen Shootings präsentierte sie nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihren nackten Körper. Selbst berühmte Fotografen wie Helmut Newton und Richard Avedon holten sie in ihr Fotostudio. So wurde Obermaier in kurzer Zeit zum Sex-Symbol einer Generation. Im Alter von 50 Jahren ließ sie sich noch einmal für den “Playboy” ablichten.
Obermaiers Bekanntheitsgrad führte auch dazu, dass sie sich als Schauspielerin beweisen konnte. Sie wirkte in mehreren Spielfilmen mit, etwa 1968 neben Iris Berben unter der Regie von Rudolf Thome in “Detektive” und 1969 als Hauptdarstellerin in “Rote Sonne”. Nach diesem “grotesk-unterhaltsamen 68er-Film” ist auch ein Münchner Technoclub benannt. Ihr damaliger Freund und Kommunen-Mitbewohner Rainer Langhans musste übrigens auf Wunsch von Obermaier die ganze Zeit bei den Dreharbeiten dabei sein, um ihr Beistand zu leisten. Einmal standen die beiden auch zusammen vor der Kamera, 1971 für eine kleine Rolle in dem deutschen Spielfilm “Haytabo”. Obermaier bekam noch einige Rollen mehr angeboten, doch vor der Filmkamera fühlte sie sich nie so wohl wie vor der Fotolinse.
Ihr Leben in verschiedenen Kommunen
Als Groupie und Percussionistin der Münchner Krautrock-Kultband Amon Düül, die 1967 in einer Künstler-Kommune in der Leopoldstraße entstand, traf Obermaier im September 1968 bei den Internationalen Essener Songtagen (hier kam es auch zur Trennung von Amon Düül I und II) erstmals auf Rainer Langhans. Zwischen den beiden gab es gleich eine Anziehung. Sie wurde nach weiteren Treffen schließlich Mitglied der Berliner Kommune I und lebte dort zusammen mit Langhans, der zu dieser Zeit (insgesamt bis 1973) ihr fester Freund war. Das Paar sprach in den Medien offen über seine Beziehung und die freie Liebe. Gemeinsam zogen sie 1969 nach München in die von Thomas Althoff gegründete “High-Fish-Kommune” (nomen est omen). Diese Kommune befand sich in der Giselastraße 12 und war ein beliebter Künstlertreff, mit Uschi und Rainer als weltoffenen Gastgebern.
Die beiden waren auch öfter in der Kommune von Amon Düül II auf einem schlossartigen Anwesen im Münchner Umland (in Kronwinkl nahe Landshut). Als die Band Fleetwood Mac im Rahmen einer Europatournee im März 1970 im Circus Krone Station machte, wurde der damalige Bandleader Peter Green einmal von Obermaier und Langhans eingeladen und dann in ihrer “Zweitkommune Kronwinkl” mit einem kräftigen LSD-Trip (auf dem Green länger hängenblieb, wie Bandkollegen zu berichten wussten) willkommen geheißen.
Während Obermaier das Kommunenleben nur noch kurzzeitig in einer Münchner Frauen-WG fortführte und dann mit ihrem Hamburger Lover Dieter Bockhorn um die Welt reiste, bevorzugte Rainer Langhans noch jahrzehntelang das kommunenartige Zusammenleben in WGs. 1976 etablierte er seine spirituell ausgerichtete Lebensgemeinschaft namens “Der Harem” in der Schwabinger Clemensstraße, wo er mit mehreren Frauen in mehreren Wohnungen unter einem Dach lebte. Auch heute noch wohnt der inzwischen krebskranke Langhans in diesem Haus.

Wie der Name Highfish andeutet, ging es um Drogen, um die Rettung und Weiterentwicklung dieses Hochgefühls, um die schönen Gegenstände, um ein bisschen Kunst.
Rainer Langhans, Kommunarde
Uschi Obermaier und die Stars an ihrer Seite
In dieser Phase gegen Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre war Uschi Obermaier sehr viel in Schwabing unterwegs und lernte dabei einige berühmte Musiker in Diskotheken wie dem “Tiffany” und dem “Big Apple” kennen. Wie sie in ihrer Autobiografie “Das wilde Leben” schrieb, hatte sie im Laufe der Jahre Liebesaffären mit Mick Jagger, Keith Richards und Jimi Hendrix. Ihren Schilderungen zufolge bestand das Frühstück der Stones übrigens meist aus Kaviar und Champagner, während sie den Tag gern mit einem Apfelsaft, einer Line Heroin und einem Joint begann. Die beiden hätten sich einmal wegen ihr fast geprügelt, ihre Tendenz ging aber alles in allem zu Keith. Mit Jimi Hendrix hatte sie nach ihrer ersten Begegnung im November 1966 über mehrere Jahre hinweg noch Briefkontakt. Sie sah ihn Anfang September 1970 noch einmal auf dem vorletzten Konzert vor seinem Tod, beim Love & Peace-Festival auf der Insel Fehmarn.

Meine Hauptmänner – das waren natürlich der Dieter Bockhorn und der Keith Richards, das waren meine ganz großen Lieben.
Uschi Obermaier in einem Interview